[piːps]
Angeregt durch Richard Eyre's schönen Film "Stage Beauty" vom letzten Jahr bin ich auf Samuel Pepys und dessen Tagebuch aufmerksam geworden. Er führte es von 1660 bis 1669, neun sehr turbulente Jahre in der englischen Geschichte (z.B. Cromwell's Tod und die Rückkehr zur Monarchie, die große Pestepidemie und der Große Brand in London) und nur ein Ausschnitt seines bewegten Lebens.
Geboren und aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen brachte er es durch einflussreiche Verwandte und Bekannte vom Staatssekretär zum Abgeordneten des Unterhauses und verkehrte mit den einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit. In seinem Tagebuch verknüpft er sehr lebendig und unverblümt seine Eindrücke von der politischen Stimmung im London des 17. Jahrhunderts mit privaten Ereignissen und Gedanken.
Ich habe erst das "erste Jahr" gelesen und bin jetzt schon ganz angetan von seinem knappen, lakonischen Stil und eingestreut beiläufigen Erwähnungen geschichtlicher Ereignisse, die so in einem ganz anderen Licht erscheinen, besonderes Interesse wecken. Er scheint trotz allem Pflicht- und Karrierebewusstsein kaum eine Vergnügung ausgelassen zu haben.
15. Januar 1660 Konnte vor lauter Hundegebell in der Nachbarschaft mehrere Stunden nicht schlafen; nahm gegen Morgen ein Abführmittel und blieb den ganzen Tag zu Hause.
22. Mai 1660 Plötzlich heißt es, der König ist an der Küste. Mylord ließ zweimal Salut schießen und die ganze Flotte folgte diesem Beispiel. Die Kanone gegenüber meiner Kabine feuerte ich eigenhändig für den König ab, ich hielt aber den Kopf zu nahe drüber und hätte mir beinahe das rechte Auge weggeschossen.
4. September 1660 Erledigte viele Dinge, bevor ich aus dem Haus ging, beaufsichtigte die Zimmerleute, die in meinem Esszimmer einen neuen Fußboden legen. Dann nach Whitehall und in den "Ochsenkopf" wo wir den Rest der Pastete aßen. Anschließend nach Axe Yard zu meinem alten Haus. Während ich an der Tür stehe, kommt Mrs. Diana vorbei. Nahm sie mit nach oben und schäkerte längere Zeit mit ihr.
Hier das Tagebuch in (wie passend!) Weblog-Form, und vollständig (aber nur halb so übersichtlich) beim Project Gutenberg.





